Eine gute Partnerschaft – wie geht das eigentlich?

Eine gute Partnerschaft

„Schatz, wir müssen reden.“ Ein Satz wie eine Abrissbirne. Die Erfahrung aus der Beratungspraxis zeigt, dass Paare häufig erst dann miteinander sprechen, wenn es Probleme gibt. So wird die eigentlich wertneutrale Gesprächsaufforderung zur Drohung. Dabei kann der Austausch über positive Dinge für eine Beziehung ungeahnte Qualität haben.

„Sag Du doch auch mal was!“

In der Partnerschaft eine gute Balance zu finden, ist nicht einfach: Es kostet viel Kraft, Beruf, Kinder, Haushalt, Freunde und Hobbys unter einen Hut zu bringen, und manchmal scheint es schier unmöglich. Gleichzeitig stellen sich viele Menschen die Frage: Wann haben wir als Paar Zeit und Muße für uns? „Es lohnt sich, auch und gerade in guten Zeiten über die Partnerschaft zu sprechen, sich als Paar zu erleben, neue gemeinsame Erfahrungen zu machen“, sagt Regine Hain, Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Braunschweig. Vor diesem Hintergrund entwickelte Hain gemeinsam mit ihrer Kollegin Nele Ruhe das Paar-Bistro, das im November 2015 erstmals stattfand. Insgesamt zwölf Paare nahmen teil und kamen in lockerer Atmosphäre miteinander ins Gespräch – über sich, über ihre Beziehung und ihre Wünsche. Einzige Voraussetzung: Meckern verboten.

 „Weißt Du noch …?“

Am Beginn einer Beziehung  steht die Phase des Verliebtseins. Sie ist gleichzeitig die Zeit, zu der man beginnt, glückliche Momente auf dem gemeinsamen Beziehungskonto zu sammeln. Dieses Konto ist am Anfang gut gefüllt. Die Partner schenken einander viel Aufmerksamkeit und Anerkennung. Kehrt jedoch der Alltag ein, kann das Einzahlen mit liebevollen Gesten und Worten in den Hintergrund treten.  Dabei ist es hilfreich und stärkend, immer wieder den Fokus auf diese glücklichen Momente zu richten und dem Partner die Zuneigung zu zeigen. Das unterstützt das Gefühl der Verbundenheit und gibt Kraft für schwierige Zeiten.

„Lass uns tanzen.“

Liebe hat ihren Platz eindeutig am positiven Ende des Regenbogens der Emotionen. Von allen Gefühlen ist Liebe vielleicht das komplexeste, mehrdeutigste und unvorhersehbarste, aber auch die lohnendste –  sowohl indem man Liebe schenkt, als auch indem man sie empfängt. Dabei ist die Spannung zwischen Bindung und Autonomie, zwischen Nähe und Distanz ein bedeutsamer Faktor. Zwischen diesen Polen beweglich zu bleiben, ist eine Herausforderung in jeder Beziehung. Dieser Tanz zwischen beiden Extreme verändert sich im Laufe einer Partnerschaft. Am Anfang überwiegt die Nähe. Man hat das Gefühl, nur mit dem Partner vollständig zu sein. Auf Dauer ist diese Verschmelzung  jedoch gefährlich. Die Partner sind kaum noch als Individuen zu erkennen und fühlen sich mitunter eingeengt. Das andere Extrem ist ein übergroßer Abstand. Alltag und Beruf fordern naturgemäß ihren Tribut. Wenn Gemeinsamkeiten jedoch nicht gepflegt werden, verschwinden sie mehr und mehr. Und am Ende stehen zwei Personen, die nur noch die Adresse miteinander teilen.

„Erzähl mal...“

„Nähe und Distanz haben beide in einer Beziehung Platz“, sagt Hain. „Nehmen Sie sich bewusst Zeit als Paar. Ein offenes Gespräch von einer halbe Stunde kann größere Nähe erzeugen als ein nebeneinander auf dem Sofa verbrachter Abend.“ Auch die eigene Autonomie will gepflegt werden: Die EFL-Beraterin empfiehlt, manchmal getrennte Wege zu gehen, etwa wenn ein Partner gerne an einer Veranstaltung teilnehmen möchte, der andere jedoch nicht – dann hat man sich hinterher mehr zu erzählen.

„5:1 für uns.“

„Frauen wollen ihre Beziehung pflegen, indem sie mit Männern darüber reden. Männer wollen ihre Beziehung pflegen, indem sie mit Frauen nicht reden“, sagt Ruhe. Frauen deuten dieses Nicht-Reden-Wollen häufig als Desinteresse an der Beziehung. Männer verstehen ihr Schweigen eher als Nicht-Gefährden-Wollen der Partnerschaft. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse münden nicht selten in konkrete Auseinandersetzungen. „Viele Paare machen sich gegenseitig Vorwürfe. Dabei könnten sie den Sachverhalt einfach als Wunsch an den Partner formulieren“, so Ruhe. „Diese scheinbar kleine Veränderung in der Kommunikation kann weitreichende positive Folgen haben.“  Allerdings will auch das Wünschen gelernt sein. So fand der amerikanische Partnerschaftsexperten John Gottman heraus, dass glückliche Paare negative Aussagen durch positive ausgleichen – und zwar im Verhältnis 5:1. Eine kritische Äußerung wird durch fünf liebevolle Äußerungen ausgeglichen.

„Nicht geschimpft ist genug gelobt.“

In längeren Beziehungen wird viel Gutes vertraut, man kennt die Eigenarten des anderen und nimmt die Stärken als selbstverständlich hin. Sie werden zur Gewohnheit. Sich des Anteils, den jeder der Partner zum Gelingen der Beziehung beiträgt, wieder bewusst zu werden, kann sehr ermutigend sein. Das stärkt das Gefühl von Verbundenheit mit dem Anderen und gibt Kraft auch für schwierige Zeiten – vergleichbar mit einem Erntespeicher im kalten Winter. Der Tipp der Expertinnen: Werden Sie sich der Stärken des Partners und Ihrer eigenen Stärken bewusst. Machen Sie sich klar, was jeder von Ihnen dazu beiträgt, dass die Beziehung hält und gelingt.