Beziehungskiller facebook? Wie das Netz Partnerschaft beeinflusst

Beziehungskiller facebook?

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Kommunikation rasant und nachhaltig verändert. Heute gibt es kaum jemanden, der nicht via facebook, XING oder LinkedIn vernetzt ist. Ein Großteil der Paare, die gerade Familien gründen, sind mit Internet, Smartphone und sozialen Netzwerken aufgewachsen und nutzen diese selbstverständlich. Doch ein hohes Maß an virtueller Vernetzung kann spürbare Auswirkungen auf die realen partnerschaftlichen Beziehungen haben, wie Gregor Branahl, Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Hannover, in seiner Arbeit „Beziehungskiller facebook? – soziale Medien als Thema der Eheberatung“ darstellt.

Gesprächsbedarf über soziale Medien

Gesellschaft und Kultur sind von den digitalen Medien durchdrungen und tiefgreifend beeinflusst. Das spüren auch die EFL-Berater. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in einem Großteil der Paarberatungen früher oder später die Sprache auf soziale Medien kommt – und zwar als Auslöser für Beziehungsprobleme“, sagt Gregor Branahl. Es gehe häufig um Themen wie Außenbeziehungen, Eifersucht oder Stalking, oder um die exzessive Nutzung von PC oder Smartphone in Konkurrenz zur gemeinsam verbrachten Paarzeit.

Internet mit vielen positiven Effekten

Laut Statistischem Bundesamt ist in den Altersgruppen der bis zu 44-Jährigen inzwischen nahezu jede Person im Internet unterwegs. Gleichzeitig bieten soziale Netzwerke fast unbegrenzte Möglichkeiten zum Kontaktaufbau und der Kontaktpflege. Branahl sieht darin auch viele positive Effekte: „Internet und soziale Medien halten in Sachen Partnerschaft und Sexualität viele Möglichkeiten eröffnet. Neben der schnellen Kommunikation und dem Erfahrungsaustausch sind das etwa die Partnersuche im Netz oder die Information über Aufklärungsseiten. Zudem suchen immer mehr Nutzer Rat und professionelle Unterstützung im Internet, wie etwa über die Online-Beratung der EFL.“

Ursachen sind die gleichen

Das Internet und die neuen Möglichkeiten, die es eröffnet sind also nicht per se schlecht. Sie eröffnen nur eine weitere Kommunikations- und Vernetzungsebene. So stellt Branahl fest, dass digitale Kommunikationsmedien Paarprobleme zwar auslösen und verstärken können. Die zugrundeliegenden Ursachen sind jedoch nicht in den Medien zu suchen. „Die Probleme, die soziale Medien mit sich bringen, sind nicht grundsätzlich neu. Im Gegenteil: es geht um Emotionen, Bedürfnisse und Verhaltensweisen, die schon immer eine Rolle gespielt haben“, so der EFL-Berater.

Mein Freund, das Netz

Die Möglichkeit, im Internet Bekanntschaften zu schließen, ist heute allgegenwärtig. Die Hemmschwelle, im Netz Kontakt aufzunehmen ist im Vergleich zu anderen Formen des Kennenlernens wiederum gering. „Das muss gar nicht mit der Absicht geschehen, eine Außenbeziehung einzugehen“, so Branahl. „Man spricht mit einem anderen Menschen über die eigenen Sorgen und fühlt sich vermeintlich besser verstanden als vom Partner.“ Das wiederum könne zur Entfremdung führen und verhindern, dass Paarprobleme gemeinsam gelöst werden.

Digitale Eifersucht

Zu einem weiteren Problem kann die Zeit werden, die man in sozialen Netzwerken verbringt. Wenn die Aufmerksamkeit mehr dem Handy als dem Partner gilt, ist die Eifersucht auf das Smartphone vorprogrammiert. Wenn während eines gemeinsamen Gesprächs, der Blick immer wieder zum Display geht, vermisst der Partner die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Gegenübers, war diese Zeit doch eigentlich für Zweisamkeit vorgesehen. Gleichzeitig kann dies Spekulationen über eine Außenbeziehung anheizen. „Digitale Eifersucht scheint sich vom Eifersucht im ‚wirklichen Leben‘ lediglich durch den medialen Kontext zu unterscheiden“, so der EFL-Berater. „Soziale Netzwerke bieten einne Nährboden für Eifersucht, da Worte, Bilder und Videobotschaften ausgetauscht werden.  Da passiert es schnell, dass deren Bedeutung und Intensität falsch eingeschätzt werden.“ Dabei können ein paar einfach Regeln helfen, mögliche negative Effekte auf Zufriedenheit und Stabilität der Partnerschaft zu reduzieren.

Tipps für die Partnerschaft 2.0

  1. Bemühen Sie sich bei eigenen Einträgen um eine Eindeutigkeit in der Kommunikation. So vermeiden Sie Missverständnisse.
  2. Wenn bestimmte digitale Aktivitäten bei Ihrem Partner Unsicherheiten auslösen, sollten Sie diese thematisieren und offen darüber sprechen.
  3. Finden Sie eine Balance aus klaren Absprachen und Vertrauen. Das gilt natürlich nicht nur für den virtuellen Raum, sondern auch im „wirklichen Leben“.
  4. Machen Sie das Handy aus. Gemeinsame Paarzeit sollte geschützt werden – auch vor ständigen Unterbrechungen durch Nachrichten aus sozialen Netzwerken.