Nachgefragt - 5 Fragen an Ulrike Fell

Ulrike Fell leitet seit März 2017 die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Hameln und Bückeburg, nachdem Sie vorher seit Mai 2014 als Leiterin der EFL Buchholz tätig war.

1. Wie sind Sie zur Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum Hildesheim gekommen?
Ich habe viele Jahre als Richterin gearbeitet. Dabei wurde mir zunehmend klar, dass, bei aller Notwendigkeit, Urteilen oft nicht weiterführt. Manchmal kann es sogar eine zerstörerische Wirkung haben. Daher machte ich mich auf die Suche nach einer Möglichkeit, konstruktiv und entwicklungsorientiert mit Menschen zu arbeiten, und absolvierte ein Counseling-Studium (psychologische Beratung), das ich durch Weiterbildungen unter anderem in den Bereichen Mediation und Psychotraumatologie ergänzt habe. 2010 bin ich schließlich vom Richten zur psychologischen Beratung gewechselt und seit Mai 2014 leite ich die EFL-Beratungsstelle in Buchholz.

2. Was machen Sie morgens als Erstes, wenn Sie ins Büro kommen?
Wenn ich in die Beratungsstelle komme, sorge ich erst einmal für frische Luft, schaue die Post durch und höre den Anrufbeantworter ab.

3. Was macht Ihnen in Ihrem Berufsalltag besonders viel Freude?
Besondere Freude macht es mir, mit Menschen zu ergründen, was sie zuinnerst bewegt. Miterleben zu dürfen, wie sie daraus etwas für sich schöpfen, sich entfalten und ihr Leben und ihre Beziehungen neu gestalten, ist etwas Besonderes. Die EFL bietet dafür einen hervorragenden Rahmen, denn sie ermöglicht es Menschen unabhängig von ihren finanziellen Verhältnissen, Beratung in Anspruch zu nehmen und so an ihrer persönlichen Entwicklung und Beziehungsgestaltung zu arbeiten. Bei der EFL habe ich die Chance, Menschen darin zu unterstützen, ein Leben in mehr Fülle und Zufriedenheit zu finden – und damit auch gesellschaftlich ein wenig zu einem friedvolleren Miteinander beizutragen.

4. Welches berufliche Erlebnis hat Sie besonders geprägt?
Ich habe einige Zeit im Ausland gelebt und gearbeitet. Geprägt hat mich vor allem die Zeit, die ich im Südsudan und in Indien verbracht habe. Manches war befremdlich und irritierend, anderes zutiefst bereichernd. Was mir geblieben ist, ist die Erfahrung, dass man fast alles sehr unterschiedlich betrachten, bewerten und damit umgehen kann. Richtig oder falsch, gut oder schlecht, darauf gibt es nie die eine richtige Antwort.

5. Was ist Ihr persönlicher Tipp für eine glückliche Partnerschaft?
Ich denke, es gibt kein Patentrezept. Eins scheint mir jedoch wichtig: Erwarten Sie nicht von Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, dass er oder sie Sie glücklich machen muss. Auch in einer Partnerschaft bleibt jeder letztlich selbst verantwortlich für sein eigenes Lebensglück. Wichtig ist eine gemeinsame Ausrichtung, sind gemeinsame Interessen, gemeinsame Ziele, an denen man vereint arbeitet – und die gleichzeitig Raum für Individuelles lassen. Und wenn Sie spüren, dass es irgendwo hakt, sprechen Sie aus, was Sie bewegt. Verbalisieren Sie Ihre Bedürfnisse ohne Schuldvorwürfe. So kann man gemeinsam Verantwortung übernehmen und herausfinden, wie die Situation zum Wohl aller beantwortet werden kann.